Schwerer Hurrikan trifft Sorland – TRIPLEX 2016

Marburger THW-Helferin bei internationaler Übung in Norwegen

Jessica Mötter, Helferin des THW OV Marburg engagiert sich zusätzlich zu ihrem normalen Dienst im Ortsverband auch bei der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA).

Diese Spezialeinheit rekrutiert sich aus Spezialisten verschiedener Ortsverbände, die im Bedarfsfall sehr schnell, über einen längeren Zeitraum im Ausland im Auftrag der Bundesregierung Hilfe im Bereich Wasser Ver- und Entsorgung leisten.

Mehr über die SEEWA können sie hier lesen: https://www.thw.de/SharedDocs/Einheiten/DE/Ausland/FGr-SEEWA.html

In der Zeit vom 24. bis 30. September 2016 fand in Südnorwegen eine internationale Katastrophenschutzübung statt, an der auch unsere Helferin Jessica Mötter als Labortechnikerin für die Wasseraufbereitung teilnehmen durfte.

Lesen Sie nun Ihren Bericht von der Übung:

Die TRIPLEX 2016 ist eine der weltweit größten Koordinierungsübungen, die Partner aus dem Katastrophenschutz und der Humanitären Hilfe zusammenbringt. Auch das THW war Teil dieser Übung, die Ende September in Südnorwegen ausgetragen wurde.

Mehr als 500 Personen aus 73 Nationen und 38 Organisationen nahmen an der TRIPLEX 2016 teil, die den Fokus auf die Koordination und Kooperation eines internationalen Hilfseinsatzes legt. Für die Teilnehmer bot sich demnach die perfekte Möglichkeit, die Strukturen im EU Civil Protection Mechanism, sowie die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure in einem solchen Einsatz kennenzulernen und war auch für unerfahrene Einsatzkräfte die perfekte Gelegenheit das Einsatzgeschehen vorab zu erleben.

Alles, um in einer Krisensituation möglichst effektive Hilfe zu leisten.

Das Szenario der TRIPLEX 2016 ereignete sich in Sorland, das von starken Regenfällen im Zuge eines Hurrikans heimgesucht wurde und gegen schwere Überschwemmungen und Erdrutsche kämpfte. Als Folge gab es viele Personen auf der Flucht, die vorübergehend in Flüchtlingscamps untergebracht werden mussten und medizinische Hilfe benötigten. Einige Personen kämpften auch noch in den Fluten um ihr Leben und wieder andere hatten aufgrund der Überschwemmungen verunreinigtes Trinkwasser. Das THW hat die Teilnehmerreihen nicht nur mit Vorausteams, bestehend aus vier SEEWA-Experten und zwei Kräften des HCP (High Capacity Pumping) verstärkt, auch zwei ICT-Experten unterstützten das EU-Koordinierungsteam, vier Spezialisten für den Aufbau und Betrieb des Camps und drei weitere hauptamtliche THW-Kräfte für die Übungssteuerung.

Das SEEWA-Vorausteam bestand aus folgenden Einsatzkräften: TL: Jens-Olaf Knapp (SEEWA Mitte), CoO: Anna Kraj (SEEWA Süd), Laboratory Expert: Jessica Mötter (SEEWA Süd), Sanitation Expert: Sascha Hellmann (SEEWA Süd) Zur Verfügung standen uns zwei ICT Ausstattungen, ein MTW und ein mobiles Labor.

Nicht viel, aber ausreichend um die Katastrophenlage zu beurteilen, ausführliche Erkundungen durchzuführen und zahlreiche Wasserproben zu analysieren. Bevor es aber zu der eigentlichen Übung kam, hatten wir eine über 24-stündige Anreise mit dem MTW zu bewältigen, die nach einer Übernachtung in Dänemark als Konvoi mit den Teams aus Luxemburg und Belgien erfolgte.

An den zwei darauffolgenden Tagen nahmen wir an verschiedenen Workshops im Bereich „Humanitarian response in case of the emergency“ teil. Themen der Workshops waren beispielsweise „Assesment state of the Art“ und „World Disasters Report 2015“. Wir konnten uns während der Workshops einen Überblick über die Teilnehmer schaffen, erste Kontakte knüpfen und viele interessante Einblicke aus der Welt der humanitären Hilfe gewinnen. Nebenbei konnten wir uns auch noch ganz entspannt und beinahe ausgeschlafen in unser „Camp- Leben“ eingewöhnen.

Dann aber überschlugen sich die Ereignisse:

Nach einer bereits erfolgten „Verfügbarkeitsabfrage“ und „Voralarmierung“ durch die Leitung erfolgte das Exercise Briefing aller Einsatzkräfte und anschließend noch ein separates Briefing durch die Leitung, in der wir alle wichtigen Informationen erhielten. Im Konvoi mit den Luxemburgern ging es dann mit dem gesamten Gepäck auf in das Einsatzgebiet. Natürlich mussten wir hier auch noch den Zoll passieren, was für uns aber völlig unproblematisch ablief, da wir erfreulicherweise nur unser privates Gepäck im MTW hatten. Die THW-Ausstattung war bereits vor Ort und die Camp-Ausstattung wurde von den Luxemburgern gestellt und von ihnen durch den Zoll gebracht – an dieser Stelle noch ein riesiges Dankeschön an das gesamte Luxemburg-Team für unzählige Male Zelt und Betten Auf-und Abbau! Und dann ging es so richtig los!

Auf dem Gelände des IHP-Camps konnte nach einigem Hin und Her doch endlich ein Platz für unser – ähm das Luxemburger – Zelt gefunden werden und wir konnten unsere frisch erworbenen Kenntnisse im Auf- und Abbau des tollen Zeltes weiter vertiefen bis uns mal wieder jemand von den Luxemburgern zur Hilfe eilte. Von da an hatte sich der geregelte Tag in ein Konglomerat von ungeplanten Ereignissen verwandelt. Für das SEEWA-Vorausteam hieß es nun alle Meetings mitzunehmen und sich einzubringen, wo es sinnvoll und nötig erschien, da das gesamte Einsatzteam der SEEWA inklusive der WTC 5000 Wasseraufbereitungsanlage nach drei Tagen erwartet wurde.

Unser Teamleader, Jens-Olaf, rannte von einem Koordinierungsmeeting zum anderen und leitete in den Pausen deren Ergebnisse an das Team weiter. Anna versuchte ihre Stärken in der Erkundung und Probenahme zu zeigen, während Jessica fleißig die mitgebrachten Proben analysierte und Empfehlungen, teilweise auch im WASH-Cluster Meeting abgab, und Sascha suchte nach einem Sanitation-Szenario und bewies solange seine fachliche Kompetenz in Dammbau im fließenden Gewässer. Langeweile kam in den drei Tagen definitiv nicht auf, da die Übungsleitung für genug Abwechslung sorgte. Neben dem üblichen Einsatzgeschehen, dass uns eh schon Schlafmangel beschert hatte, verzeichneten wir noch einen Besuch von Prinz Harry im Camp, weswegen kurzerhand das Mittagessen ausfiel, eine Demonstration von Einheimischen und ein Feuer im Camp. Nicht zu vergessen aber der reale Sturm, der das gesamte Szenario noch unterstrich und diverse Absicherungsmaßnahmen der Zelte notwendig machte. Leider aber verstärkte sich der Sturm noch mehr und einige Zelte verloren den Kampf gegen den Sturm, so dass Jessica ihr Labor kurzerhand von einem Master-Tent in einen Container umziehen musste, das Büro auch noch dazu musste und insgesamt alle deutlich enger zusammenrücken mussten. Als Ergebnis unserer Bemühungen gab es einen Lagebericht und Safety & Security Plan, Komplettanalyse von etwa 40 Wasserproben, einen geeigneten Aufstellungsort für die WTC 5000, die vorbereiteten Zoll- Unterlagen für die Einführung des Equipments und einen erkennbaren Schlafmangel aller Übungsteilnehmer. Umso mehr entschädigte die grandiose Abschlussparty, die den Schlafmangel sofort vergessen ließ.

Bei der Vorbereitung der Party hat man sich nicht weniger Mühe als bei der Übung gemacht. Es gab leckere Speisen und die neu geknüpften Kontakte wurden gestärkt. Als dann auch noch ein erstklassiger Elvis-Imitator die Bühne rockte, wurde bis in den frühen Morgen getanzt.

Alles in Allem hat die TRIPLEX 2016 für unvergessliche Erinnerungen gesorgt! An der Stelle möchten wir uns bei der THW-Leitung für die Möglichkeit der Teilnahme an der Übung bedanken und dickes DANKESCHÖN an Jens- Olaf ausrichten, der uns durch seinen souveränen Führungsstil viel beigebracht hat.

Bericht von Jessica Mötter und Anna Kraj

 

 


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Aktuell auf THW.de :

  • Rund 50 THW-Helferinnen und -Helfer aus Baden-Württemberg trainierten vergangenes Wochenende in Eberbach am Neckar einen Auslandseinsatz in „Ewwerbeach“ – mit allen Facetten einer realistischen Ausgangslage.

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